Der Sherry: Weintourismus in der andalusischen Provinz Cádiz
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Der Sherry: ein Stück andalusische Kultur – Wei...

Der Sherry: ein Stück andalusische Kultur – Weintourismus in der Provinz Cádiz

Bei einem Urlaub in der andalusischen Provinz Cádiz kommt man gar nicht umhin, in irgendeiner Weise mit Sherry in Berührung zu kommen. Und sei es nur, weil man die auffällige Tío Pepe-Figur oder den Osborne-Stier am Straßenrand und auf zahlreichen Souvenirartikeln zu sehen bekommt. Tatsächlich hat der Weinbau die Region und ihre Kultur seit Jahrhunderten geprägt, auch wenn der Sherry, wie wir ihn heute kennen, erste gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden ist. Der Sherry-Anbau hat der Stadt Jerez zu Reichtum verholfen und wie kaum ein anderes Produkt die Industrialisierung der Region vorangetrieben. Darum ist der Besuch einer typischen Sherry-Bodega nicht nur etwas für Weinliebhaber, sondern für alle, die sich generell für die Geschichte und die Kultur ihres Urlaubsortes interessieren. Und vielleicht kommt man bei einer Weinprobe ja auf den Geschmack – denn einer der Vorteile dieses Weines ist, dass er über ganz unterschiedliche Varianten für jeden Gaumen verfügt.

Die verschiedenen Sherry-Varianten

Fast alle Sherry-Weine (95 %) werden aus derselben weißen Rebsorte hergestellt: Palomino Fino. Trotzdem sind die Weine, die daraus entstehen, ganz unterschiedlich im Geschmack und in der Farbe. Wie kommt das? Das liegt an den einzigartigen Ausbauverfahren, die für jeden Wein verwendet werden. Zunächst einmal muss man wissen, dass Sherry-Fässer nicht bis oben hin gefüllt werden, sondern nur etwa zu fünf Sechsteln, so dass oben im Fass eine Luftschicht überbleibt. Dies schafft die Ausgangsbedingungen für zwei verschiedene Reifeverfahren: Biologische Reifung und oxidative Reifung.

Biologische Reifung für Fino

Bei der biologischen Reifung wird der Wein, der aus der Gärung entstanden ist, mit Branntwein auf etwa 15 % Alkohol aufgespritet. Bei genau diesem Alkoholgehalt entsteht auf dem Wein eine Hefeschicht, die ihn vor Oxidation mit der Luft im Fass schützt und außerdem den gesamten Zuckergehalt des Weines verzehrt, wodurch er sehr trocken wird. So entsteht der berühmte Fino, ein sehr heller trockener Sherry. In einigen Bodegas ist für die Besucher ein Fass mit Glaswand ausgestellt, damit man die Hefeschicht sehen kann.

Oxidative Reifung für Oloroso

Bei der oxidativen Reifung wird der aus der Gärung entstandene Wein auf etwa 17 % aufgespritet. Bei diesem Alkoholgehalt entsteht keine Hefe, so dass der Wein Kontakt mit der Luft hat und oxidiert. Erhält dabei eine rotbraune Farbe und ein nussiges und kräftigeres Aroma als der Fino. Dieser Wein erhält den Namen Oloroso (vom spanischen Wort „olor“ für Duft).

In Jerez gibt es sehr viele Sherry-Produzenten.

Amontillado

Der Amontillado erfährt sowohl biologische als auch oxidative Reifung. Er beginnt wie ein Fino mit einer Hefeschicht und wird nach Absterben der Hefe im Fass gelassen, um wie ein Oloroso oxidativ weiter zu reifen. Er besitzt deshalb Charakteristiken beider Weine und ist etwas für echte Feinschmecker.

Pedro Ximénez

Pedro Ximénez ist zunächst einmal eine Traubenart. Sie wird zu etwa 5 % in der Sherry-Produktion verwendet. Diese Traube wird vor der Gärung getrocknet, so dass sich ihr Zuckergehalt stark konzentriert. Der daraus gewonnene Wein ist dementsprechend süß und in der Region als Dessertwein beliebt. Er wird aber auch zum Mischen verwendet, um die halbsüßen Medium- oder die süßen Cream-Sherrys zu erhalten, die vor allem für den Export produziert werden.

Besondere Sherrys

Guter Sherry ist in der Region Jerez relativ einfach und preisgünstig zu erhalten. Es gibt aber einige besondere Sherrys, die aufgrund ihrer Seltenheit einen etwas höheren Preis haben. Das gilt für die sogenannten V.O.S. (Vinum Optimum Signatum), die über 20 Jahr gereift werden müssen und die V.O.R.S (Vinum Optimum Rare Signatum), die über 30 Jahre reifen müssen, sowie für den Sherry Palo Cortado, einen Sherry, bei dem spontan die Hefe abstirbt und der also nur einen leichten „Fino-Touch“ bekommt.

Der Besuch einer Bodega

Die traditionellen Bodegas (spanisch für „Weinkeller“) sind alle im andalusischen Stil erbaut und oft mit schönen Gartenanlagen umgeben. Bei der Ankunft an den gepflegten Anwesen fragt man sich unwillkürlich: Wird hier echt noch Wein produziert oder ist das alles nur ein Museum? Sobald man aber die alt ehrwürdigen Gebäude betritt, erkennt man am unbeschreiblichen Aroma des Sherry, dass hier tatsächlich echter Wein lagert. Der Besuch einer Bodega ist also zunächst einmal ein Erlebnis für die Sinne. Oft sind alte landwirtschaftliche Geräte unter schattenspendenden Weinranken ausgestellt oder zieren alte Brunnen einen Patio mit Oliven- und Orangenbäumen. Alles in allem eine bezaubernde Atmosphäre. Aber man bekommt auch einen Einblick in die Geschichte der Region, die wie gesagt sehr von der Weinproduktion geprägt wurde. Die erste Eisenbahn Andalusiens zum Beispiel wurde zwischen Jerez und Cádiz gebaut, um die Weinfässer zum Hafen transportieren zu können, wo sie vor allem nach England verschifft wurden.

Das Sherry-Dreieck: Jerez de la Frontera, Puerto de Santa María und Sanlúcar de Barrameda

Sherry ist eine Herkunftsbezeichnung (Denominación de Origen D. O.), die offiziell den Namen Jerez/Xèréz/Sherry y Manzanilla de Sanlúcar Barrameda trägt. Nur Wein, der nach dem oben beschriebenen Ausbauverfahren in den Städten Jerez de la Frontera, Puerto de Santa María und Sanlúcar de Barrameda produziert wird, darf sich Sherry nennen. Diese Städte formen das so genannte Sherry-Dreieck. Bei einem Urlaub in der Region Cádiz bietet es sich an, eine Bodega in einer dieser Städte zu besuchen. In welcher? Das ist ein bisschen Geschmacksfrage.

Jerez de la Frontera

Das Stadtbild von Jerez ist vollständig von den Bodegas geprägt. Schon bei der Einfahrt aus Richtung Cádiz sieht man die gewaltigen Anlagen von Williams & Humbert sowie den Tío Pepe-Shop. Und überall in der Stadt trifft man auf größere und kleinere Bodega-Gebäude. Die Auswahl ist also groß, und die meisten organisierten Ausflüge führen zum Bodega- Besuch nach Jerez. Einen solchen Ausflug kann man z. B. mit Besichtigungen des Alcázar oder der Kathedrale von Jerez de la Frontera verbinden.

Puerto de Santa María

In Puerto de Santa María befindet sich die traditionsreiche Osborne-Bodega (die mit dem Stier-Logo), aber auch kleinere, familiäre Betriebe, die einen Besuch wert sind und oft einen etwas persönlicheren Service bieten. Schön ist auch die Uferpromenade am Guadalete mit vielen kleinen Restaurants. Hier kann man seinen Sherry zum Beispiel mit einem echten Thunfisch aus Cádiz kombinieren.

Jerez de la Frontera, El Puerto de Santa María und Sanlúcar bilden das Sherry-Dreieck.

Sanlúcar de Barrameda

Sanlúcar liegt an der Mündung des Guadalquivir nahe des Nationalparks Doñana und stellt damit ein herausragendes Ausflugsziel an sich dar. Es ist außer für Wein auch für seine exzellenten Meeresfrüchte bekannt, die man an der schönen Strandpromenade genießen kann. Hier wird der Manzanilla-Wein produziert, der denselben Ausbau hat wie ein Fino, aber durch die Atlantikwinde ein etwas anderes Aroma erhält.

Wenn man richtigen Weintourismus macht und voll ins Thema einsteigen will, wird man wohl sowieso alle drei Städte besuchen und auch Ausflüge zu den Weinbergen machen, die in dieser Region weit außerhalb der Stadtzentren liegen.