Sherry-Sorten: Die Unterschiede zwischen Fino, Oloroso & Co.
Selbst wer kein ausgesprochener Weinliebhaber ist, kommt bei einem Urlaub in CĂĄdiz meist in den Genuss des ein oder anderen Sherry. Da ist es eine gute Idee, sich ein bisschen ĂŒber die verschiedenen Sherry-Sorten zu informieren, damit man auch weiĂ, was man da trinkt
Sherry ist nicht gleich Sherry. Bei einem Urlaub in CĂĄdiz wirst du wahrscheinlich feststellen, dass dir unter demselben Namen Weine mit ganz unterschiedlichem Geschmack serviert werden: von extrem sĂŒĂ bis knochentrocken. Mehr noch: Wenn du in der Bar einfach nur Jerez (spanisches Wort fĂŒr Sherry) bestellst, wirst du wohl gefragt werden: âWelchen denn?â Und zwar ist das keine Frage der Marke, sondern der unterschiedlichen Ausbauverfahren, die die verschiedenen Sherry-Sorten hervorbringen. Wenn du tiefer in die Details der Sherry-Produktion einsteigen möchtest, bietet sich der Besuch einer Sherry-Bodega an, zum Beispiel in Jerez de la Frontera. Du kannst aber auch schon mal diesen Artikel lesen, der dir einen kleinen Ăberblick ĂŒber die Unterschiede und Besonderheiten der verschiedenen Sherry-Sorten verschafft.
Welche Sherry-Sorten gibt es?
Fast alle Sherry-Weine (95 %) werden aus derselben weiĂen Rebsorte hergestellt: Palomino Fino. Trotzdem sind die Weine, die daraus entstehen, ganz unterschiedlich im Geschmack und in der Farbe. Wie kommt das? Das liegt an den einzigartigen Ausbauverfahren, die fĂŒr die verschiedenen Sherry-Sorten verwendet werden.Â
Fast alle Sherry-Weine (95 %) werden aus derselben weiĂen Rebsorte hergestellt: Palomino Fino. Trotzdem sind die Weine, die daraus entstehen, ganz unterschiedlich im Geschmack und in der Farbe
HierfĂŒr muss man wissen, dass Sherry-FĂ€sser nicht bis oben hin gefĂŒllt werden, sondern nur zu etwa fĂŒnf Sechsteln, so dass oben im Fass eine Luftschicht ĂŒberbleibt. Diese schafft die Ausgangsbedingungen fĂŒr zwei verschiedene Reifeverfahren: biologische Reifung und oxidative Reifung.Â
Fino: Biologische Reifung
Bei der biologischen Reifung wird der Wein, der aus der GĂ€rung entstanden ist, mit Branntwein auf etwa 15 % Alkohol aufgespritet. Bei genau diesem Alkoholgehalt entsteht auf dem Wein eine Hefeschicht â die sogenannte Flor (Blume) â, die ihn vor Oxidation mit der Luft im Fass schĂŒtzt und auĂerdem den gesamten Zuckergehalt des Weines verzehrt, wodurch er sehr trocken wird. So entsteht der berĂŒhmte Fino, ein sehr heller trockener Sherry. In einigen Bodegas ist fĂŒr die Besucher ein Fass mit Glaswand ausgestellt, damit man die Hefeschicht sehen kann.
Fino ist der weltweit berĂŒhmteste Sherry
Oloroso: Oxidative Reifung
Bei der oxidativen Reifung wird der aus der GĂ€rung entstandene Wein auf etwa 17 % Alkohol aufgespritet. Bei diesem Alkoholgehalt entsteht keine Hefe, so dass der Wein Kontakt mit der Luft hat und oxidiert. Er erhĂ€lt dabei eine rotbraune Farbe und ein nussiges und volleres Aroma als der Fino. Dieser Wein erhĂ€lt den Namen Oloroso (vom spanischen Wort âolorâ fĂŒr Duft).
Amontillado
Der Amontillado erfĂ€hrt sowohl biologische als auch oxidative Reifung. Er beginnt wie ein Fino mit einer Hefeschicht und wird nach Absterben der Hefe im Fass gelassen, um wie ein Oloroso oxidativ weiter zu reifen. Er besitzt deshalb Charakteristiken beider Weine und ist etwas fĂŒr echte Feinschmecker.
Palo Cortado
Ein besonders seltener Sherry ist der Palo Cortado. Dieser sollte eigentlich ein Fino werden, aber durch einen Zufall oder âUnfallâ stirbt spontan die Hefe ab, so dass er in einen Oloroso umgewandelt werden muss. Es handelt sich also âfastâ um einen Oloroso, der aber am Anfang seiner Reifung einen leichten âFino-Touchâ erhalten hat.
Pedro Ximénez
Pedro XimĂ©nez ist zunĂ€chst einmal eine Traubenart. Sie wird zu etwa 5 % in der Sherry-Produktion verwendet. Diese Traube wird vor der GĂ€rung getrocknet, so dass sich ihr Zuckergehalt stark konzentriert. Der daraus gewonnene Wein ist dementsprechend sĂŒĂ und in der Region als Dessertwein beliebt. Er wird aber auch zum Mischen verwendet, um die halbsĂŒĂen Medium- oder die sĂŒĂen Cream-Sherrys zu erhalten, die vor allem fĂŒr den Export produziert werden.
Manzanilla
Der Manzanilla-Wein ist eine der unbekannteren Sherry-Sorten. Er hat exakt denselben Ausbau wie ein Fino, allerdings mit dem Unterschied, dass er in SanlĂșcar de Barrameda gereift wird, wo er durch das spezielle Klima und die Atlantikwinde ein etwas anderes Aroma erhĂ€lt.
Criadera und Solera-System vs. Jahrgangs-Sherry
Eine weitere Besonderheit der Sherry-Reifung ist das sogenannte Criadera und Solera-System, das fĂŒr (fast) alle Sherry-Sorten verwendet wird. In diesem System werden jedes Jahr die JahrgĂ€nge miteinander gemischt. Das funktioniert in etwa so: Aus den FĂ€ssern mit dem Ă€ltesten Wein â der sogenannten Solera, die traditionell die unterste Fassreihe der ĂŒbereinandergestapelten FĂ€sser bildet â wird einmal im Jahr etwa ein Drittel des Weines zur FlaschenabfĂŒllung entnommen. Das Drittel, das nun fehlt, wird aus der Reihe darĂŒber â mit etwas jĂŒngerem Wein â aufgefĂŒllt. So geht es immer weiter, bis man die jĂŒngste Fassreihe erreicht. Diese wird mit frischem Wein aus der letzten Ernte aufgefĂŒllt.Â
Im Criadera und Solera-System werden jedes Jahr die JahrgÀnge miteinander gemischt
Auf diese Weise erhÀlt man einen Wein mit immer gleicher QualitÀt. Dies ist auch der Grund, warum auf Sherry-Flaschen kein Jahrgang steht. Das genaue Alter kann nÀmlich nicht festgelegt werden, wohl jedoch das Durchschnittsalter. Ein Fino wird ungefÀhr 3-5 Jahre im Criadera und Solera-System gereift, ein Oloroso ungefÀhr 5-8 Jahre.
V.O.S. und V.O.R.S
Guter Sherry ist in der Region Jerez relativ einfach und preisgĂŒnstig zu erhalten. Es gibt aber einige besondere Sherrys, die aufgrund ihrer Seltenheit einen etwas höheren Preis haben. Das gilt fĂŒr die sogenannten V.O.S. (Vinum Optimum Signatum), die gemittelt ĂŒber 20 Jahre im Criadera und Solera-System gereift werden mĂŒssen und die V.O.R.S (Vinum Optimum Rare Signatum), die ĂŒber 30 Jahre reifen mĂŒssen. Es handelt sich hierbei um besonders edle Sherry-Sorten, allerdings sind es noch nicht die allerteuersten.
Jahrgangs-Sherrys
Ein ganz besonderer Fall sind die sogenannten Jahrgangs-Sherrys. In ausgesprochen guten Erntejahren wird ein Teil der Trauben fĂŒr einen Wein reserviert, der ganz traditionell wie normaler Rot- oder WeiĂwein im Fass gereift wird, ohne gemischt zu werden. Jahrgangs-Sherrys bekommt man nicht so leicht, sie sind die teuersten unter den Sherry-Sorten.
Von hell nach dunkel: "Fino, Oloroso und Pedro Ximénez
Brandy und Sherry-Essig
Die meisten Bodegas, die Sherry produzieren, stellen auch Brandy (Weinbrand) und Sherry-Essig her. Der Brandy wurde traditionell aus der typischen Palomino Fino-Traube gebrannt. Heutzutage werden meistens jedoch verschiedene andere Sorten verwendet. Sherry-Essig gibt es in trockenen Varianten (aus Palomino Fino) und den sĂŒĂeren (aus Pedro XimĂ©nez). Das Besondere sowohl am Brandy als auch am Sherry-Essig ist, dass auch sie im Criadera und Solera-System gereift werden.
Das Sherry-Dreieck: Jerez de la Frontera, Puerto de Santa MarĂa und SanlĂșcar de Barrameda
Sherry ist eine Herkunftsbezeichnung (DenominaciĂłn de Origen D. O.), die offiziell den Namen Jerez/XĂšrĂ©z/Sherry y Manzanilla de SanlĂșcar de Barrameda trĂ€gt. Nur Wein, der nach den oben beschriebenen Ausbauverfahren in den StĂ€dten Jerez de la Frontera, Puerto de Santa MarĂa und SanlĂșcar de Barrameda produziert wird, darf sich Sherry nennen.Â
Nur Wein, der in den StĂ€dten Jerez de la Frontera, Puerto de Santa MarĂa und SanlĂșcar de Barrameda produziert wird, darf sich Sherry nennen
Diese StĂ€dte formen das so genannte Sherry-Dreieck. Bei einem Urlaub in der Region CĂĄdiz bietet es sich an, eine Bodega in einer dieser StĂ€dte zu besuchen.Â
Jerez de la Frontera
Das Stadtbild von Jerez ist vollstĂ€ndig von den Sherry-Bodegas geprĂ€gt. Schon bei der Einfahrt aus Richtung CĂĄdiz sieht man die gewaltigen Anlagen von Willimas & Humbert sowie den TĂo Pepe-Shop. Und ĂŒberall in der Stadt trifft man auf gröĂere und kleinere Bodega-GebĂ€ude. Die Auswahl ist also groĂ, und die meisten organisierten AusflĂŒge fĂŒhren zum Bodega-Besuch nach Jerez. Einen solchen Ausflug kann man z. B. mit Besichtigungen des AlcĂĄzar oder der Kathedrale von Jerez de la Frontera verbinden.
TĂo Pepe-Denkmal vor der Kathedrale von Jerez de la Frontera
Puerto de Santa MarĂa
In Puerto de Santa MarĂa befindet sich die traditionsreiche Osborne-Bodega, die vor allem durch den berĂŒhmten Osborne-Stier bekannt ist, aber auch kleinere, familiĂ€re Betriebe, die einen Besuch wert sind und oft einen etwas persönlicheren Service bieten. Schön ist auch die Uferpromenade am Guadalete mit vielen kleinen Restaurants. Hier kann man seinen Sherry zum Beispiel mit einem echten Thunfisch aus CĂĄdiz kombinieren.
SanlĂșcar de Barrameda
SanlĂșcar de Barrameda â wo der Manzanilla-Wein produziert wird - liegt an der MĂŒndung des Guadalquivir nahe des Nationalparks Doñana und stellt damit ein herausragendes Ausflugsziel an sich dar. Es ist auĂer fĂŒr Wein auch fĂŒr seine exzellenten MeeresfrĂŒchte bekannt, die man an der schönen Strandpromenade genieĂen kann.Â
Wenn man richtigen Weintourismus macht und voll ins Thema einsteigen will, besucht man am besten alle drei StÀdte, die dicht beieinander liegen.
Besuch einer Sherry-Bodega
Die traditionellen Bodegas (spanisch fĂŒr âWeinkellerâ) sind alle im andalusischen Stil erbaut und oft mit schönen Gartenanlagen umgeben. Bei der Ankunft an den gepflegten Anwesen fragt man sich unwillkĂŒrlich: Wird hier echt noch Wein produziert oder ist das alles nur ein Museum? Sobald man aber die altehrwĂŒrdigen GebĂ€ude betritt, erkennt man am unbeschreiblichen Aroma des Sherry, dass hier tatsĂ€chlich echter Wein lagert. Der Besuch einer Sherry-Bodega ist daher ein einmaliges Erlebnis fĂŒr die Sinne. Oft sind alte landwirtschaftliche GerĂ€te unter schattenspendenden Weinranken ausgestellt oder zieren alte Brunnen einen Patio mit Oliven- und OrangenbĂ€umen.Â
Der Besuch einer Sherry-Bodega ist ein einmaliges Erlebnis fĂŒr die Sinne
Dazu kann man verschiedene Sherry-Sorten probieren und erhĂ€lt ebenfalls einen Einblick in die Geschichte der Region, die sehr von der Weinproduktion geprĂ€gt wurde.Â