Die Hamburger Speicherstadt: ein Muss, wenn man Hamburg besucht
Als Weltkulturerbe der UNESCO und größter historischer Lagerhauskomplex der Welt darf die Hamburger Speicherstadt bei einem Besuch der Hansestadt nicht fehlen
Die Speicherstadt ist mit Sicherheit eine der beliebtesten Hamburger Attraktionen. Und das nicht nur aufgrund ihrer interessanten Architektur und Geschichte, sondern auch und vor allem aufgrund des reichhaltigen Kultur-, Freizeit- und Gastronomieangebots, das die alten Speicher heutzutage beherbergen. Vom Kaffeemuseum übers Miniatur Wunderland bis hin zum Gruselkabinett Hamburg Dungeon lädt die Hamburger Speicherstadt Einheimische und Touristen zu außergewöhnlichen und lehrreichen Erlebnissen ein.
Die Speicherstadt bei Nacht zu erleben ist eine weitere tolle Alternative
Von deinem Hotel in der Innenstadt ist sie leicht mit der U-Bahn-Linie U3 zu erreichen, aber auch mit dem Fahrrad kommt man hier gut hin, es werden sogar Fahrradtouren durch Speicherstadt und Hafencity angeboten. Die Speicherstadt bei Nacht zu erleben ist eine weitere tolle Alternative, da die Gebäude am Abend mit einer Lichtinszenierung des Vereins Licht-Kunst-Speicherstadt beleuchtet werden und eine besonders romantische Stimmung verströmen. Wenn man ein bisschen Zeit mitbringt, besucht man das Viertel also am besten mehrmals, um es aus allen Ecken und Winkeln betrachten zu können.
Ein Fleet in Abendstimmung
Geschichte der Hamburger Speicherstadt
Mit dem Bau der Speicherstadt wurde im Jahre 1883 begonnen. Hintergrund war der Zollanschluss der bis dahin vom Zoll ausgenommenen Hansestadt, der für 1888 vorgesehen war. Hamburg erhielt jedoch das Recht, einen Freihafen zu errichten. Dort sollte ein Viertel entstehen, in dem Waren weiterhin zollfrei gelagert und verarbeitet werden konnten: die Hamburger Speicherstadt. Zehntausende Menschen wurden für dieses Mammutprojekt zwangsumgesiedelt. In mehreren Phasen wurde der Bau 1923 schließlich beendet und bildet heute den größten historischen Lagerhauskomplex der Welt. Waren aus aller Welt trafen hier ein, vor allem Kaffee, Tee, Gewürze, Kakao und Kautschuk.
Das historische "Fleetschlösschen", heute ein Restaurant
Mit dem Vormarsch der Containerschifffahrt verlor die Speicherstadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung und gewann gleichzeitig an Denkmalcharakter. 2013 wurde auch der Hamburger Freihafen endgültig aufgelöst. Noch heute werden jedoch viele Speicher als Gewerbegebiet verwendet. So gibt es hier immer noch einige traditionelle Teppichhändler, die zäh ihren Stand halten, obwohl die Speicherstadt längst nicht mehr der große Teppichumschlagplatz ist, der sie einmal war.
Speicherstadt oder Hafencity?
Speicherstadt, Kontorhausviertel, HafenCity? Oft wird alles in einem Atemzug genannt und die Verwirrung ist groß. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Begriff „HafenCity“ ursprünglich allein für das Bauprojekt verwendet wurde, das auf dem nördlichen Teil des Großen Grasbrooks im ehemaligen Freihafen ein ganz neues Stadtviertel entstehen lässt (das Projekt soll im Jahre 2030 vollständig fertig gestellt werden). Es handelt sich derzeit um das größte innerstädtische Bauprojekt Europas. Andererseits ist „Hafencity“ aber auch der Name eines neuen Stadtteils, zu dem außer dem Neubaugebiet eben auch die Speicherstadt gehört. So liegen berühmte Sehenswürdigkeiten wie die Elbphilharmonie in der HafenCity, nicht aber in der eigentlichen Speicherstadt.
Die Elbphilharmonie in der Hafencity
Das Kontorhausviertel wiederum grenzt im Norden an die Speicherstadt und wurde zusammen mit dieser 2015 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Hier befinden sich Wahrzeichen wie das Chilehaus. Für den Besucher sind dies aber nur theoretische Unterschiede. Da die Viertel ineinander übergehen, kann man sie auch zusammenhängend erkunden.
Das Chilehaus im Kontorhausviertel
Hafenrundfahrt mit Speicherstadt
Die meisten Besucher der Hansestadt sehen die Speicherstadt zum ersten Mal auf einer der beliebten Fleetfahrten. Auch wenn man es dabei nicht belassen sollte, bietet eine Hafenrundfahrt mit Speicherstadt einen tollen ersten Eindruck vom historischen Lagerhauskomplex. Vom Boot aus kann man sehr schön die Fassaden von historischen Gebäuden wie dem viel fotografierten Wasserschloss oder dem Fleetschlösschen bewundern und sich vorstellen, wie hier vor 100 Jahren die Waren von den Booten mit hydraulischen Speicherwinden in die oberen Etagen der Speicher gehievt wurden. Dazu erhält man interessante (und meist witzige) Informationen vom Skipper.
Rundfahrt durch die Speicherstadt
Museen in der Speicherstadt
Die Museen in der Speicherstadt haben natürlich alle eine enge Beziehung zu der historischen Funktion dieses alten Lagerhauskomplexes. Das Speicherstadtmuseum verschafft einen generellen Überblick über die Geschichte und Funktion des Viertels und im Deutschen Zollmuseum Hamburg erfährt man alles über die Geschichte des Freihafens und des Zolls. Aber auch praktisch jedes Produkt, das früher in der Hamburger Speicherstadt gelagert wurde, verfügt hier heute über sein eigenes Museum.
Ausstellungssaal im Zollmuseum
Wer Kaffee in der Speicherstadt trinken und gleichzeitig Wissenswertes über die Geschichte dieses Getränks erfahren möchten, geht ins Kaffeemuseum Burg; im Wasserschloss Speicherstadt, einem früheren Arbeiterquartier, kann man eine exquisite Teeprobe von Tees aus aller Welt machen; für Fans exotischer Gewürze gibt es das Gewürzmuseum in Hamburg; und wer sich für alte Schiffe begeistert, kommt im Internationalen Maritimen Museum voll auf seine Kosten, das sich im ältesten Speicherbauwerk der Stadt befindet und zu den beliebtesten Museen in Hamburg gehört.
Das Internationale Maritime Museum von außen
Andere Aktivitäten in der Speicherstadt
Die beiden meistbesuchten Attraktionen der Hamburger Speicherstadt sind mit Sicherheit das Miniatur Wunderland und das Hamburg Dungeon. Bei Ersterem handelt es sich um die größte Modelleisenbahnanlage der Welt, in der verschiedene Gebiete der Erde mit unglaublicher detailgetreue in Miniatur nachgebildet sind. Letzteres ist eine Mischung aus Geschichtsstunde und Gruselkabinett, ein Konzept, das auch in anderen Städten wie Amsterdam oder Berlin besteht. Anhand einer interaktiven Show bieten Schauspieler einen Einblick in die dunkleren Kapitel der Hamburger Geschichte wie den Großen Brand, das Leben des berüchtigten Piraten Klaus Störtebeker, die Pest oder die Inquisition.
Hamburg Dungeon
Etwas weniger bekannt, aber ebenso erlebenswert, ist der Dialog im Dunkeln, eine Ausstellung, die es einem ermöglicht, sich für kurze Zeit in die Haut eines Blinden zu versetzten. Blinde Menschen führen die Besucher durch verschiedene Alltagssituationen, die hier in vollkommener Dunkelheit nachgestellt sind.
Führungen durch die Speicherstadt
Eine der besten Optionen, wenn man die Speicherstadt erleben und Wissenswertes über ihre Geschichte erfahren möchte, ist eine spezielle Führung. Diese werden zum Beispiel an den Wochenenden vom oben erwähnten Speicherstadtmuseum organisiert, wobei man das Kerngebiet des Komplexes zu sehen bekommt und einen Überblick über seine Geschichte erhält. Das Museum bietet auf Absprache auch Gruppenführungen und Rallyes zu bestimmten Themen an.
Auch unterhaltsame szenische Führungen mit historischen Persönlichkeiten der Hamburger Speicherstadt sind beliebt
Es gibt aber eine große Auswahl an Anbietern, die die Speicherstadt entweder als Teil einer größeren Hamburg-Führung im Programm haben, oder im Gegenteil auf ein spezifisches Thema des Lagerhauskomplexes fokussiert sind. So gibt es etwa Führungen zum Thema Kaffee oder Gewürze oder auch unterhaltsame szenische Führungen mit historischen Persönlichkeiten der Hamburger Speicherstadt. Sehr beliebt sind in dieser Kategorie die Nachtwächter-Führungen, auf denen man die Speicherstadt im Dunkel der Nacht erlebt und viele unterhaltsame Anekdoten zu hören bekommt.
Bei einer Führung entdeckt man viele Details