Maya-Kultur in Mittelamerika: eine faszinierende, unbekannte Welt
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Auf den Spuren der Maya-Kultur in Mittelamerika...

Auf den Spuren der Maya-Kultur in Mittelamerika: eine faszinierende und unbekannte Welt

Die Kultur der Maya fasziniert Reisende aus aller Welt seit Jahrhunderten. Maya-Stätten sind ein wahrer Magnet für Touristen, nicht nur in den mexikanischen Bundesstaaten Yucatán, Campeche, Quintana Roo, Chiapas und Tabasco, sondern auch in Guatemala, Honduras, Belize und El Salvador, also im gesamten Verbreitungsgebiet der alten Maya-Zivilisation. Trotz der vielen archäologischen Funde hat die Maya-Kultur den Wissenschaftlern jedoch lange Zeit Rätsel aufgegeben. Die Schrift der Maya wurde beispielsweise erst relativ spät, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entziffert, und diese Entdeckung hat viele verbreitete Ideen über die Maya – etwa, dass es sich um ein friedliches Volk handelte – ins Wanken gebracht. Die Forschung ist daher in vollem Gang und bringt immer wieder neue Erkenntnisse ans Licht. Ein Grund mehr, bei einem Urlaub in Yucatán die Wunder dieser alten Hochkultur zu entdecken und einen Einblick in ihr ungewöhnliches Weltbild zu erhalten.

Ausdehnung und Geschichte der Maya

Die Mayas waren kein einheitliches Volk, sondern vielmehr verschiedene Völker, die eine gemeinsame kulturelle Basis teilten, aber verschiedene Sprachen besaßen, die sich aus einer gemeinsamen Sprache, dem Proto-Maya entwickelt haben. Sie bildeten denn auch niemals ein Imperium oder einen größeren zusammenhängenden Staat wie die Azteken oder die Inka. Vielmehr bildeten sie Stadtstaaten, die in ständiger Konkurrenz miteinander standen und sich untereinander auch bekriegten. Die Ursprünge der Zivilisation gehen auf etwa 8000 v. Chr. zurück und die Hochkultur der Maya entwickelte sich ab etwa 2000 v. Chr. Sie machte verschiedene Entwicklungsphasen durch,  wobei die bemerkenswertesten Bauwerke und Kunstschätze der Maya-Kultur in der sogenannten Klassik entstanden, die von 250-900 n. Chr. dauerte. Um 900 kam es zum so genannten Kollaps der Maya-Zentren im zentralen Tiefland, dessen Gründe noch nicht wirklich erforscht sind. Viele große und mächtige Zentren im Inland wurden in dieser Zeit vollständig aufgegeben und verlassen, während im Norden neue angelegt wurden – etwa die berühmte Stadt Chichén Itzá. Dies ist der Grund, weshalb es bei Ankunft der Spanier bereits vom Dschungel überwachsene Ruinenstätte gab, die erst sehr viel später, teilweise im 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurden.

TXT ALT FOTO 2	Die Maya-Kultur ist weltbekannt durch ihren hochentwickelten Kalender.

Herausragende Leistungen der Maya-Kultur

Die Mayas waren eine der höchst entwickelten Zivilisationen des vorkolonialen Amerikas. Sie verfügten über eine komplexe Gesellschaftsordnung, wissenschaftliche (vor allem astronomische) Kenntnisse, ein raffiniertes Kunsthandwerk und kontrollierten Handelsrouten mit weit entfernten Zentren außerhalb ihres Territoriums. Dies sind einige der bemerkenswertesten Errungenschaften der Maya-Kultur:

  • Die Mathematik: Das Zahlensystem der Maya basierte auf dem Vigesimalsystem und war in der Lage, sehr große Nummern mit relativ wenig Zeichen auszudrücken, was vor allem für den Maya-Kalender (s. u.) mit seinen sehr großen Zyklen von Nutzen war. Bemerkenswert ist hierbei die Verwendung eines Stellenwertsystems mit dem Lückenzeichen „0“. Es ist möglich, dass die Maya-Kultur weltweit die erste Zivilisation war, die eine funktionale Null verwendet hat, jedoch lässt sich das nicht mit absoluter Sicherheit feststellen.
  • Astronomie und Kalender: Der Maya-Kalender ist weltberühmt, spätestens seit uns für 2012 der Weltuntergang vorausgesagt wurde. Tatsächlich realisierten die Maya ihre Himmelsbeobachtungen und Berechnungen hauptsächlich zu prophetischen und religiösen Zwecken, um Ereignisse in der Zukunft voraussagen und ihre Rituale daran anpassen zu können. Die Maya waren so gute Astronomen, dass ihre Berechnungen zum Zeitpunkt des ersten Kontaktes mit den Europäern genauer waren als die entsprechenden Berechnungen auf dem alten Kontinent.
  • Die Schrift der Maya: Die Maya-Kultur besaß das höchst entwickelte Schriftsystem des vorkolonialen Amerikas. Während andere Kulturen nur Piktogramme verwendeten, entwickelten die Maya ein sogenanntes logosyllabisches Schriftsystem, bei dem sowohl Logogramme als auch Silbenzeichen verwendet werden, also sowohl Zeichen mit einer bestimmten Bedeutung als auch rein phonetische Zeichen. So konnten komplexere Texte verfasst werden als mit anderen Schriftsystemen des Kontinents. Leider sind aufgrund der Bücherverbrennungen durch die Spanier nur vier als authentisch geltende Bücher erhalten geblieben. Die Maya-Schrift finden wir allerdings auch auf verschiedenen Objekten wie Vasen und auf den Fassaden der Gebäude.
  • Die Architektur: Die Maya bauten über Jahrhunderte große Städte mit monumentalen Bauten wie Palästen und Tempeln, von denen viele bis auf den heutigen Tag stehen geblieben sind. Diese Architektur war reich mit Reliefs und Wandmalereien verziert und so hoch entwickelt, dass man unterschiedliche regionale Stile unterscheiden kann. Eine Besonderheit der Architektur der Maya sind die Observatorien und die Ausrichtung der Tempel nach verschiedenen Gestirnen wie etwa dem Planeten Venus, dem die Maya eine besondere Bedeutung zukommen ließen.

Die Maya-Kultur entwickelte ein logosyllabisches Schriftsystem.

Die wichtigsten Maya-Stätten

Im gesamten Ausdehnungsgebiet der Maya-Kultur sind Hunderte Maya-Ruinen archäologisch erfasst, während Tausende noch darauf warten, erforscht zu werden. Als wichtigste Maya-Stätten, die auch besichtigt werden können, gelten Chichén Itzá, Palenque, Uxmal, Comalcalcalco und Yaxchilán in Mexiko, Tikal in Guatemala und Copán in Honduras. Die Maya-Ruinen in Yucatán von Chichen-Itzá sind eine der meist besuchten Maya-Stätten, nicht nur, weil sie in der Nähe der Touristenorte an der Küste von Yucatán liegen, sondern auch aufgrund des berühmten Tempels von Kukulkan (der „gefiederten Schlange“), einer Maya-Pyramide, deren Architektur zu astronomischen Ereignissen wie den Sonnenwenden verschiedene Licht- und Schattenspiele erzeugt. Zur Tag-und-Nacht-Gleiche etwa erscheint auf den Flanken der Pyramide ein schlangenförmiger Schatten. Dieser Tempel ist daher ein hervorragendes Beispiel für die astronomische Ausrichtung der Maya-Pyramiden. Eine andere interessante Maya-Stätte ist Joya de Cerén in El Salvador. Dieser Ort wird auch das amerikanische Pompeji genannt, da es um 600 n. Chr. von der Asche eines Vulkans verschüttet wurde. Es ist daher der einzige bisher bekannte Ort, an dem das alltägliche Leben der Mayas erforscht werden kann. In allen anderen Stätten sind nur die Tempel und die Gebäude der Oberschicht erhalten geblieben, die beständiger gebaut wurden als die Häuser der einfachen Leute.

Die Maya-Kultur in Yucatán: Maya-Pyramide in Chichén Itzá.

Maya-Kultur heute

Die Eroberung durch die Spanier bedeutete nicht das Ende der Maya-Kultur. Tatsächlich ist es den Spaniern sogar schwer gefallen, das gesamte Gebiet unter ihre Herrschaft zu bringen, denn die letzte Maya-Stadt fiel erst im Jahre 1697. Danach zogen die Nachkommen der alten Maya sich in die Dörfer zurück und lebten dort oft unabhängig von der spanischen Verwaltung. Daher pflegen die Mayas heute noch immer ihre uralten Traditionen und Bräuche und sprechen auch noch immer ihre Sprachen. Insgesamt sind bis auf den heutigen Tag über 30 Maya-Sprachen erhalten geblieben, die von insgesamt über 6 Millionen Angehörigen der Ethnie vor allem in Guatemala, Mexiko und Belize gesprochen werden. Und auch der Einfluss der Maya-Kultur in diesen Ländern ist nicht gering gewesen. Sie ist etwa in der mexikanischen Küche und den mexikanischen Trachten spürbar, und auch in Volksfesten wie dem Tag der Toten, die auf der Halbinsel von Yucatán nach dem alten Brauch der Maya Hanal Pixán genannt wird. Selbst das alte Mesoamerikanische Ballpiel findet in Mexiko seine Fortsetzung als modernes Ballspiel Ulama. So kann man bei einem Urlaub in Mexiko nicht nur die Kultur der alten Maya-Zivilisation, sondern auch eine ganz aktuelle lebendige Maya-Kultur entdecken.


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