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Sommersonnenwende oder Johannisnacht: wo ist der Unterschied und wie feiert man beides im Süden?

Die Feiern zur Sommersonnenwende oder Mittsommernacht bringen wir vor allem mit nordischen Regionen wie Skandinavien oder den baltischen Ländern in Verbindung. Das ist auch logisch, denn je höher im Norden, desto größer der Unterschied zwischen Tag und Nacht und desto mehr ist die Sommersonnenwende spürbar. Über dem Polarkreis kann man sogar das einmalige Schauspiel der „weißen Nächte“ erleben, wenn es niemals ganz dunkel wird. Weniger bekannt ist, zumindest bei uns, dass das Fest auch in einigen südlichen Ländern wie Spanien oder Portugal und selbst in den Tropen gefeiert wird, wo der Unterschied zwischen Tag und Nacht viel geringer ist. Hier kennt man es oft unter dem Namen Johannisnacht, da das ursprünglich heidnische Fest zur Sommersonnenwende mit der christlichen Tradition verschmolzen ist.

Wann ist Sommersonnenwende und wann ist Johannistag?

Die Sommersonnenwende findet in dem Moment statt, in dem die Sonne genau im Zenit über dem nördlichen Polarkreis steht. Auf der Nordhalbkugel der Erde ist dies der längste Tag des Jahres und gleichzeitig astronomischer Sommeranfang, auf der Südhalbkugel hingegen ist es der kürzeste Tag des Jahres. Sommer- und Wintersonnenwende wurden bereits seit Urzeiten durch heidnische Bräuche gefeiert. Die Kirche nutzte diese zwei wichtigen Tage des Heidentums und legte zwei der wichtigsten kirchlichen Feiertage darauf: die Geburt Jesu Christi (Weihnachten) zur Wintersonnenwende, und die Geburt Johannes des Täufers zur Sommersonnenwende. Da das Kalenderjahr jedoch nicht vollkommen mit dem astronomischen Jahr übereinstimmt, ist die tatsächliche Sonnenwende im Laufe der Jahrhunderte einige Tage nach vorne gewandert, so dass die Daten heute nicht mehr übereinstimmen. Sowohl Weihnachten als auch der Johannistag werden aber traditionell immer noch immer am ursprünglichen Datum gefeiert.

Das Johannisfest in Spanien (San Juan-Fest)

In Spanien wird die Sommersonnenwende besonders ausgiebig gefeiert. Überall brennen die Johannisfeuer, und in den Küstenregionen ist es Tradition, um Punkt 0:00 Uhr ein Bad im Meer zu nehmen. Besonders toll, wenn man zu dieser Zeit ein Strandhotel in Spanien gebucht hat. Das Feuer ist  übrigens ein gemeinsames Element in den meisten Traditionen zur Sommersonnenwende. Die Menschen glaubten früher, dass sie mit dem Feuer der Sonne mehr Kraft geben würden.

Balearen – Menorca

Unter den Balearen ist vor allem die Insel Menorca für Ihre Feierlichkeiten zum San Juan-Fest bekannt. Es handelt sich um eines der wichtigsten Feste des Jahres. Neben typischen Elementen wie dem Johannisfeuer dreht sich bei diesem Fest in Menorca alles um die Pferde. Das reinrassige menorquinische Pferd ist der Star des hiesigen Johannisfestes, das unter Anleitung der Cavallers oder Reiter die erstaunlichsten Kunststücke und Tänze aufführt. Wenn Du zu dieser Zeit Urlaub auf der Insel machst, wirst du bestimmt deinen Spaß haben.

Andalusien – Cádiz und Málaga

In Andalusien fällt es einem nicht schwer, beim traditionellen Mitternachtsbaden mitzumachen, denn die Temperaturen sind hier im Juni schon angenehm warm. Einen besonderen Platz unter den andalusischen Johannisfesten nehmen Cádiz und Málaga ein. Hier werden die so genannten Juanillos, „Hännschen“ (Cádiz) bzw. Júas (Málaga) verbrannt. Es handelt sich um große Puppen, die früher wohl Judas Iskariot darstellen sollten, heute aber alle möglichen Gestalten annehmen können. Nicht selten werden auf diese Art zum Beispiel auch unbeliebte Politiker „verbrannt“.

Levante (Ostküste) – Alicante und Barcelona

An der gesamten Ostküste Spaniens wird das San Juan-Fest groß gefeiert. Besonders Alicante, wo die berühmten „Monumente“ verbrannt werden und wo es in der Johannisnacht ein riesiges Feuerwerk am Strand zu sehen gibt, ist in dieser Zeit einen Besuch wert. Aber auch in Barcelona feiert man die Sommersonnenwende mit besonders viel Aufwand und mit besonders viel Beteiligung unter der Bevölkerung. Wenn du zu dieser Zeit Urlaub in Barcelona machen solltest, wirst du bestimmt überrascht sein.

Galicien

Diese mystische Region im Norden Spaniens wurde einst von den Kelten besiedelt und hat bis auf den heutigen Tag uralte keltische Rituale bewahrt. Sie hat in Spanien einen Ruf als Land der Hexen und der Magie und hat vielerorts mehr Ähnlichkeiten mit Irland als mit dem Rest Spaniens. So ist es nicht verwunderlich, dass auch zur Sommersonnenwende Rituale keltischen Ursprungs gepflegt werden. Die sogenannte Noite meiga, „Nachte der Hexen“, ist hier besonders magisch und wird in der ganzen Region mit den traditionellen Johannisfeuern gefeiert. Es ist üblich, über das Feuer zu springen, denn das soll Glück bringen. Wenn man gemeinsam springt, soll die Wirkung noch größer sein.

Lateinamerika zur Sommersonnenwende: Bräuche der Ureinwohner und christliche Tradition

In Mittel-und Südamerika gibt es zur Sommersonnenwende Bräuche und Rituale, die schon lange vor der Zeit der Kolonisierung durch die Europäer existierten. Viele der alten Zivilisationen dieses Kontinents verehrten die Sonne als eine Gottheit, die großen Einfluss auf ihr tägliches Leben ausübte. Dementsprechend gut kannte man auch ihre Zyklen, man denke an den berühmten Maya-Kalender. Später sind diese Bräuche dann mit christlichen Traditionen verschmolzen.

Mexiko –Chichén Itzá

Viele Tempel der Maya, die wir in Mittelamerika antreffen, sind nach der Sonne ausgerichtet. Besonders berühmt ist die Pyramide des Kukulcán in der Ruinenstadt Chichén Itzá, deren Schattenwürfe wie ein riesiger Kalender funktionieren. Zur Tag-und-Nachtgleiche etwa sieht eine der Kanten der Pyramide aus wie eine Schlange, und am Tag der Sommersonnenwende befindet sich genau eine Hälfte der Pyramide im Dunkeln und die andere Hälfte im Hellen. Ein einmaliges Schauspiel, das jedes Jahr viele Besucher aus den Hotels an der Riviera Maya in die berühmte Mayastadt lockt.

Camagüey (Kuba)

Das berühmteste Johannisfest auf Kuba findet in Camagüey statt. Ursprünglich eine Mischung aus christlicher Tradition und einer Art Erntedankfest, vereint es heute alle Elemente, die normalerweise den Karneval auszeichnen: Musik, Tanz, Kostüme, Straßenumzüge und vieles mehr. Die ganze Stadt nimmt mit künstlerischen Darbietungen an dem Fest teil, das mehrere Tage dauert und erst am Tag des Heiligen Petrus (29. Juni) endet. Typisch für diese kubanische Variante des Johannisfestes ist auch das Rodeo, ein Überbleibsel des ursprünglich ländlichen Charakters des Festes.

Brasilien: São João

In Brasilien wurde das Fest von den europäischen Kolonialherren eingeführt, die die christlichen Feiertage auf der Südhalbkugel der Erde genauso weiter feierten wie auf der Nordhalbkugel. Das hat dazu geführt, dass das ursprüngliche Mittsommernachtsfest hier paradoxerweise zur Wintersonnenwende gefeiert wird. Das tut der Feststimmung aber natürlich keinen Abbruch. Auch in Brasilien erinnert das Fest sehr stark an den Karneval und dauert besonders lange, vom Tag des Heiligen Antonius (13. Juni), über den Tag des Heiligen Johannes bis zum Tag des Heiligen Petrus (29. Juni). Darum spricht man hier denn auch von den so genannten Junifesten (Festas Juninas), die im ganzen Land gefeiert werden.