Teotihuacan: die geheimnisvollste der historischen Stätten Mexikos

Wenig ist bekannt über die Erbauer dieser gewaltigen präkolumbischen Stadt, die im 7. Jahrhundert n Chr. aus noch ungeklärten Gründen unterging. Umso enigmatischer erscheinen die riesigen Pyramiden von Teotihuacan, die uns auf eine Zeitreise in eine Ära lange vor Ankunft der Europäer in Amerika mitnehmen

Luftaufnahme der archäologischen Stätte von Teotihuacan in Mexiko.
Inhaltsübersicht
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Teotihuacan ist die meistbesuchte archäologische Stätte in Mexiko, noch vor den großen Wundern der Maya-Kultur wie Chichén Itzá oder Tulum. Das liegt nicht nur an ihrer Nähe zur mexikanischen Hauptstadt, sondern auch an ihren gewaltigen Ausmaßen, den filigran gearbeiteten Details ihrer Pyramiden und der mystischen Aura, die dieses überwältigende Denkmal einer weitgehend völlig unbekannten Zivilisation umgibt. Der Besuch von Teotihuacan ist ein Muss bei einem Aufenthalt in Mexiko-Stadt oder bei einer Rundreise durchs Land. Du solltest ihn aber unbedingt gut vorbereiten und genügend Zeit einplanen, denn das Areal ist größer, als man denkt und die Hitze kann einem in der Mittagszeit ein bisschen zu schaffen machen. Hier findest du die wichtigsten Informationen für einen Besuch einer der bedeutendsten archäologischen Stätten der Welt, die du für immer im Gedächtnis behalten wirst.

Reliefskulpturen an einem präkolumbischen Tempel in Mexiko.

Detailansicht eines Tempels in Teotihuacán

Ein bisschen Geschichte: Was wissen wir über Teotihuacan?

Als die Azteken im 14. Jahrhundert das Tal von Mexiko erreichten, war die Stadt schon seit Jahrhunderten verlassen und zu Ruinen verfallen. Dennoch waren sie von der Erhabenheit ihrer gewaltigen Pyramiden derart beeindruckt, dass sie ihr den Namen „Teotihuacan“ gaben, was so viel bedeutet wie „der Ort wo die Menschen zu Göttern werden“. Für sie wurde die Stadt zu einem mystischen Ort, den sie mit ihrer Mythologie, insbesondere mit ihrem Schöpfungsmythos, in Verbindung brachten.

Der aztekische Name hat sich bis auf den heutigen Tag gehalten, aber wir wissen nicht, wie die Stadt eigentlich hieß

Der aztekische Name hat sich bis auf den heutigen Tag gehalten, aber wir wissen nicht, wie die Stadt eigentlich hieß, d.h., wie ihre Bewohner sie nannten. Tatsächlich wissen wir nicht einmal, welche Sprache oder Sprachen in Teotihuacan gesprochen wurden. Einige Forscher gehen von einer multikulturellen Zivilisation aus, die sich aus Mitgliedern verschiedener Ethnien wie den Totonaken, den Nahuas und insbesondere den Otomí, den ersten Siedlern des Tals von Mexiko, zusammensetzten.

"Gefiederter Jaguar" in einem präkolumbischen Wandgemälde eines Palastes in Mexiko.

Wandbemalung im "Palast der Jaguare" in Teotihuacan

Dass uns diese Erkenntnisse fehlen, ist umso erstaunlicher, als dass es sich bei Teotihuacan um eine der größten Städte nicht nur des amerikanischen Kontinents, sondern sogar der Welt ihrer Zeit handelte. Es wird geschätzt, dass in ihrer Blütezeit zwischen 100.000 und 200.000 Menschen auf den über 20 km² Fläche der Stadt lebten. Zudem war sie über Jahrhunderte das Zentrum der wirtschaftlichen, politischen, kulturellen, religiösen und militärischen Macht der Region, und ihr Einfluss reichte bis in weit entlegene Gebiete der heutigen USA und des heutigen Guatemala.

Dies alles konnten Forscher aus archäologischen Funden ablesen, beispielsweise aus in Teotihuacan gefertigten Objekten, die in weit entfernten Städten wie Tikal gefunden wurden, das zu Maya-Kultur gehörte. Das Problem ist jedoch, dass in Teotihuacan keine richtige Schrift gefunden werden konnte, nur einzelne Glyphen, deren Bedeutung nicht gesichert ist.

Was eindeutig erforscht werden konnte ist die Chronologie der Stadt. Ihre Anfänge liegen im zweiten Jahrhundert v. Chr., als man in dem ursprünglich recht kleinen Dorf begann, größere Steinbauten zu errichten, was bei Ausgrabungen zu Tage getreten ist. Ihre Blütezeit reichte von ungefähr 200 n. Chr. bis 600 oder 650 n. Chr., wobei angenommen wird, dass zwischen 600 und 650 n. Chr. ein schneller und dramatischer Kollaps der Zivilisation aus nicht vollständig geklärten Gründen stattfand. Soziale Unruhen und rasch hintereinander stattfindende Vulkanausbrüche könnten eine Rolle gespielt haben.

Kleinere Gebäude vor der großen Sonnenpyramide in Mexiko.

Ausschnitt des Komplexes

Gebäude in Teotihuacan

Teotihuacan wurde in einer strengen geometrischen Anordnung rund um die Hauptachse, die sogenannte Straße der Toten (miccaotli in der Sprache der Azteken) angelegt, die mit einer leichten Abweichungen Richtung Osten von Nord nach Süd verläuft. Unmittelbar an diese zentrale Straße grenzen die wichtigsten Gebäude der Stadt.

Die Sonnenpyramide

Mit einer Grundfläche von 225 x 225 m und einer Höhe von etwa 65 m ist sie die drittgrößte Pyramide der Welt. Tatsächlich ist der Grundriss vergleichbar mit der der großen Pyramide von Gizeh, nur dass sie ein wenig niedriger ist. Sie wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. in einer einzigen Bauphase errichtet und war damit das erste monumentale Gebäude von Teotihuacan. Sie befindet sich im Zentrum der Stadt an der Straße der Toten. Ursprünglich hatte sie nur vier Stufen. Die fünfte Stufe entstand bei einem unprofessionell durchgeführten Restaurierungsversuch von Anfang bis 20. Jahrhunderts. 

Die Pyramide hatte allem Anschein nach eine religiöse Funktion, aber es ist nicht geklärt, welcher Gottheit sie geweiht war

Die Pyramide hatte allem Anschein nach eine religiöse Funktion, aber es ist nicht geklärt, welcher Gottheit sie geweiht war. Von der farbenprächtigen Bemalung, die einst ihre Flanken zierte, ist nämlich nichts mehr erhalten, so dass es keine Abbildungen gibt, die Rückschlüsse auf die verehrte Gottheit erlauben würden. Ihre heutige Bezeichnung als „Sonnenpyramide“ erhielt sie von den Azteken.

Die Besteigung dieser Pyramide ist bereits seit mehreren Jahren aus Gründen der Konservierung und der Sicherheit leider verboten.

Präkolumbische Pyramiden in Mexiko.

Die magische Aura der Stätte ist ungebrochen

Die Mondpyramide

Die Mondpyramide befindet sich am nördlichen Ende der Straße der Toten. Sie ist mit einer Grundfläche von 120 x 150 m und etwa 46 m Höhe um einiges kleiner als die Sonnenpyramide und wurde in mehreren Phasen zwischen 100 n. Chr. und 350 n. Chr. erbaut. Auch sie ist bezüglich des Kultes vom selben Mysterium umgeben wie die Sonnenpyramide, da die Bemalung nicht erhalten ist und keine Skulpturen in die Fassade gearbeitet wurden. Wohl wissen wir, dass sie höchstwahrscheinlich für Menschenopfer verwendet wurde, da in einer Höhle unter der Pyramide die Leichname von Menschen gefunden wurden, die Zeichen von Gewalt aufweisen bzw. die lebendig begraben wurden.

Auch sie war eine Zeit lang vollkommen gesperrt, aber seit einiger Zeit ist der Zugang zur ersten Plattform der Mondpyramide wieder möglich.

Blick auf die Mondpyramide in Teotihuacan, Mexiko.

Präkolumbische Pyramiden in Mexiko.

Zitadelle und Tempel des Quetzalcóatl

Am südlichen Ende der Straße der Toten treffen wir auf die Zitadelle, eine von Mauern umgebene Anlage, in der sich wahrscheinlich Paläste befanden, die von den Herrschern der Stadt bewohnt wurden.

Das bedeutendste Gebäude dieser Anlage ist jedoch der Tempel des Quetzalcóatl, der einzige Tempel des Komplexes, der mit Sicherheit einer bestimmten Gottheit zugeordnet werden kann, und zwar aufgrund der Skulpturen, die in die Flanken des Tempels eingearbeitet wurden. Sie stellen den gefiederten Schlangengott dar, eine synkretische Gottheit, die von praktisch allen mesoamerikanischen Kulturen unter verschiedenen Namen verehrt wurde. Die Azteken nannten ihn Quetzalcóatl, die Mayas Kukulcán; wie die Einwohner von Teotihuacan ihn nannten, ist ungewiss, aber es handelt sich um denselben Gott.

Detailansicht von Reliefskulpturen an einem Tempel des Quetzalcóatl in Mexiko.

Die Stufen zum Tempel des Quetzalcóatl

Palast von Quetzalpapálotl

Der sogenannte Palast von Quetzalpapálotl sticht unter den restlichen archäologischen Resten der Stätte hervor, weil in seinem Inneren Wandbemalungen in erstaunlich gutem Erhaltungszustand zu sehen sind. Insbesondere der Saal der Jaguare, in dem gefiederte Jaguare mit Vogelhauben abgebildet sind, ist schlichtweg beeindruckend. Man nimmt an, dass in diesem Palast ein wichtiger Priester oder anderer Würdenträger gewohnt haben muss.

Innenhof mit Wandbemalungen und Reliefs im Palast von Quetzalpapálotl.

Palast von Quetzalpapálotl

Andere Wohnbauten in Teotihuacan

Die Kernanlage der archäologischen Stätte umfasst rund 3 km², aber die ursprüngliche Stadt war über 20 km² groß, so dass einige der alten Gemäuer heute in den umliegenden modernen Wohngebieten liegen. Wenn du also mit dem Mietwagen da bist und genügend Zeit mitgebracht hast, lohnt es sich vielleicht, auch bei einigen kleineren Stätten vorbeizuschauen, die zu Teotihuacan gehörten, wie den Palästen von Atetelco, Tepantitla, Tetitla, Zacuala oder Yayahuala.

Wandmalerei in der archäologischen Stätte von Tepantitla, Mexiko.

Wandbemalung im Palast von Tepantitla

Praktische Tipps für den Besuch von Teotihuacan

Aufgrund der großen Bedeutung dieser archäologischen Stätte ist sie sehr gut angebunden und leicht zu erreichen. Sie ist nur 45 km von Mexiko-Stadt entfernt und kann sogar mit einer öffentlichen Buslinie erreicht werden, die vom Busbahnhof Nord in Mexiko-Stadt abfährt. Man erkennt sie sehr leicht am Logo der Pyramiden und der Aufschrift „Autobuses Teotihuacán“ und sie benötigt etwa eine Stunde für die Fahrt.

Mit dem Mietwagen ist man ein wenig schneller, aber man muss bedenken, dass auf der Autobahn Maut und an der Stätte selber Parkgebühren fällig werden. Wenn du ein Taxi nehmen möchtest, bestelle es am besten im Hotel oder bei offiziellen Taxiunternehmen.

Aufgrund der großen Bedeutung dieser archäologischen Stätte ist sie sehr gut angebunden und leicht zu erreichen

Wenn du Teotihuacan auf eigene Faust besichtigen möchtest, musst du bedenken, dass das zu besichtigende Areal relativ groß ist und praktisch keinen Schatten bietet. Darum solltest du unbedingt genügend Wasser und einen Sonnenhut dabeihaben. Es empfiehlt sich ebenfalls, sehr früh da zu sein, um die Mittagshitze zu vermeiden. Wenn du keine Führung buchst, empfiehlt es sich ebenfalls, einen Audioguide oder auch ganz klassisch eine Broschüre dabei zu haben, damit man auch weiß, was man gerade vor sich hat und einem nichts entgeht. Die Guides, die vor Ort an der Stätte anzutreffen sind, sprechen meistens nur Spanisch und Englisch. Wenn du einer der beiden Sprachen mächtig bist, ist auch dies eine Option.

Modell der historischen Stadt Teotihuacan mit Blick auf die archäologische Stätte im Hintergrund.

Modell der Stadt im Museum der Kultur Teotihuacans, das sich neben der archäologischen Stätte befindet

Die bequemste und sicherste Art, Teotihuacan zu besuchen, ist eine Tour, die dich bei deinem Hotel abholt und eine Führung beinhaltet. So brauchst du dich weder um Transport noch um Tickets zu kümmern und erfährst alles Wissenswerte über das sagenhafte Monument. Es empfiehlt sich, einige Zeit im Voraus zu buchen, insbesondere, wenn deine Reise in die Hochsaison oder bestimmte Feiertage wie die Osterwoche fällt.

Und schließlich noch eine besonders aufregende Option: die Fahrt mit dem Heißluftballon über Teotihuacan, die in den letzten Jahren immer populärer geworden ist. Verschiedene Unternehmen bieten dieses einmalige Erlebnis an, bei dem du eine der bedeutendsten Weltkulturerbestätten der Welt aus der Luft betrachten kannst.

Mehrere Heißluftballons überfliegen die archäologische Stätte von Teotihuacan in Mexiko.

Heißluftballons über Teotihuacan

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