READING

Semana Santa: Osterreisen zu den schönsten Proz...

Semana Santa: Osterreisen zu den schönsten Prozessionen in Andalusien

Ostern ist eines dieser Feste, die in jedem Land trotz gemeinsamer Religion ganz anders gefeiert werden. Während man bei uns Ostereier bemalt, legt man in Guatemala Blumenteppiche aus und übergießt sich in Polen mit Wasser… Einen besonderen Platz unter allen Ostertraditionen nehmen aber mit Sicherheit die spanischen Osterprozessionen während der Semana Santa ein. Insbesondere die andalusische Semana Santa ist zu Recht weltberühmt und wurde vielerorts zum Fest von internationalem touristischen Interesse erklärt.

Osterbräuche in Spanien: Geschichte und Bedeutung

Die Semana Santa in Spanien hat eine lange Tradition, die bis in die Zeit der Reconquista (im Mittelalter) zurückreicht. Damals waren es Laienbruderschaften, die auf die Idee kamen, die Christusstatuen der Kirchen als Buße auf ihren Rücken durch die Straßen zu tragen. Später sah dann auch die Kirche das große Potenzial, das in dieser Form der Religiosität steckte. Schließlich war der Gottesdienst für die Menschen in jener Zeit sehr abstrakt (da auf Latein) und die visuellen Reize einer Prozession sehr viel ansprechender für das religiöse Empfinden des Volkes. So wurden die Prozessionen mit der Zeit immer reicher geschmückt und mit Musik untermalt, bis das beeindruckende Spektakel entstanden ist, das wir heute kennen. Einen letzten Anschub bekamen diese Osterbräuche in Spanien während der Gegenreformation im 16. Jh., als es darauf ankam, die Menschen im katholischen Glauben zu halten.

Ostern in Spanien ist mehr als ein Fest

Genau wie um den Karneval, der ebenfalls eine vor allem katholische Tradition ist, sind in Spanien um die Semana Santa herum mit der Zeit ganz eigenständige Kunstformen entstanden, nicht nur in der Bildhauerei, sondern z. B. auch in der Musik. Die speziellen Semana Santa-Märsche sind sehr feierliche, emotionsgeladene Stücke, die von einer Blaskapelle gespielt werden und die nicht wenige Spanier gerne auch außerhalb der Osterzeit hören.

Die Seamana Santa ist das spanische Osterfest.

Zur Semana Santa Andalusien entdecken

Überall in Spanien finden in der Osterwoche Prozessionen statt. Warum aber ist Andalusien dann so besonders berühmt für seine Prozessionen? Das liegt daran, dass die Semana Santa in Andalusien mit besonderer Inbrunst gelebt wird. Es ist nicht allein eine religiöse Angelegenheit, sondern auch ein Teil der Volkskultur. Ein guter Teil der Menschen, die aktiv am Fest teilnehmen, haben ansonsten kaum einen Bezug zur Religion, jedoch ein großes Traditionsbewusstsein. So werden Kinder beispielsweise zum Musikunterricht oft direkt bei den Musikkapellen angemeldet, die zur Semana Santa die Prozessionen begleiten, so dass sie von klein auf in die Tradition hineinwachsen.

So viel Hingabe ist natürlich spürbar – sowohl quantitativ als auch qualitativ. Die Prozessionen sind in Andalusien nicht nur besonders vielfältig (an jedem Tag und zu jeder Zeit kann man von Palmsonntag bis Ostersonntag immer irgendwo eine Prozession sehen), sie sind außerdem eine ästhetische Verschmelzung von Musik, Bewegung, Duft, Kunst und tiefer Emotion, die liebevoll einstudiert wurde. Wenn du zur Semana Santa Andalusien entdecken möchtest, erwartet dich also eines der schönsten Feste in Spanien.

Die Semana Santa von Andalusien ist das berühmteste Osterfest

Die Prozession mit Kennerblick: worauf muss man achten

Bei den meisten Prozessionen werden zwei der sog. Pasos getragen. Ein Paso ist eine tragbare Konstruktion mit Baldachin, die sehr reich verziert wird und auf dem die Statue thront. Normalerweise  trägt der erste Paso eine Christusstatue, die (je nach Tag) verschiedene Stationen des Leidenswegs Jesu Christi darstellt. Ihm folgt eine kleine Kapelle. Der zweite Paso trägt eine Marienstatue, die von einer größeren Kapelle begleitet wird. Je nach Größe und Schwere wird der Paso von 30 bis zu über 200 sogenannten Costaleros  oder Cargadores getragen. Viele davon befinden sich unter dem Paso, weshalb man sie auf den ersten Blick nicht sieht. Sie können sich die Buße auch erschweren, indem sie zum Beispiel barfuß laufen. Da eine Prozession mehrere Stunden dauert, werden die Büßer regelmäßig ausgewechselt. Begleitet werden sie von den Penitentes, die meist Kerzen tragen. Am Palmsonntag tragen sie aber auch oft Palmenwedel.

Der Rhythmus der Prozession

Besonders wichtig ist hierbei der Schritt im Takt der Musik (unter anderem, weil den Büßern unter dem Paso die Sicht versperrt ist). Es gibt verschiedene Schrittarten. So kann man entweder im 2/4- oder im 4/4-Takt gehen. Aber der wichtigste Unterschied besteht in der Art, den Paso „tanzen zu lassen“. In Cádiz etwa bewegen sich die Büßer schwingend von links nach rechts, damit sich die Stangen des Baldachins über dem Paso bewegen. In Sevilla hingegen bevorzugt man einen geschlossenen, geradeaus gerichteten Schritt, damit es so aussieht, als würde sich die Statue bewegen.

Wenn man zum ersten Mal zu Ostern in Andalusien ist, wird man vielleicht vom plötzlichen Gesang der Zuschauer überrascht, für den die Musik abrupt unterbrochen wird. Das sind die sogenannten Saetas, ein spontaner Klagegesang im Flamenco-Stil, den jeder anstimmen kann, wenn ihm gerade danach ist.

Semana Santa in Sevilla

Die Semana Santa in Sevilla ist wohl die bekannteste Ostertradition Spaniens, sowohl im In- als auch im Ausland. Die Kirchen in Sevilla beherbergen besonders schöne und reich verzierte Pasos, unter denen besonders die Virgen de la Esperanza Macarena und die Virgen de la Esperanza de Triana herausragen, zwei besonders schöne Statuen aus dem 17. Jahrhundert, die in Sevilla mit besonderer Inbrunst verehrt werden.

Wer eine Reise nach Sevilla zur Semana Santa plant, sollte sich rechtzeitig um ein Hotel in der andalusischen Hauptstadt kümmern, denn schnell ist alles ausgebucht.

Die Semana Santa ist eines der vielen Feste, die in Andalusien im Frühling stattfinden

Ostern in Granada und Málaga

Nach Sevilla ist auch Granada für seine Prozessionen berühmt. Besonders schön ist hier die Kulisse, vor der sie stattfinden. Die Prozession des Cristo de los Gitanos (Christus der Zigeuner) etwa findet bei Nacht mit der beleuchteten Alhambra im Hintergrund statt. Ein Traum! Auch wenn du Ostern in Granada verbringen möchtest, solltest du dich rechtzeitig um ein Hotel kümmern.

Die Provinzhauptstadt Málaga ist für ihre besonders großen und schweren Tronos bekannt (so werden hier im Gegensatz zum Rest von Andalusien die Pasos genannt). Der schwerste ist mit über 4 Tonnen der Trono der Virgen María Santisima de los Dolores Coronada, der von über 200 Büßern getragen wird.

Andere Höhepunkte Andalusiens: Huelva, Cádiz, Jerez…

Der Vorteil der Semana Santa in Andalusien ist, dass sie wirklich überall (auch im entlegensten Bergdorf) gefeiert wird, so dass man sich einfach seinen Lieblingsort für einen Frühling in Andalusien aussuchen kann und nicht unbedingt die berühmten Semana Santa-Hochburgen für sein Hotel in Andalusien wählen muss. Oft kann man das Fest in kleineren Orten sogar mehr genießen, weil es nicht so überlaufen ist. Und die Pasos sind oft genauso schön. Wenn man ein Hotel in der Provinz Cádiz gebucht hat, bietet sich etwa Jerez als toller Schauplatz der Semana Santa an. In Provinzhauptstädten wie Huelva oder Cádiz kann man die Prozessionen oft ganz gemütlich von einem Café aus bei maritimem Ambiente betrachten. Wenn man in Cádiz etwa zur rechten Zeit einen Tisch in einem der Restaurants der Calle de la Palma reserviert, kann man hier von der Terrasse aus zusehen, wie der Paso aus der wunderschönen Iglesia de la Palma getragen wird. Und hinterher an den Strand gehen, der nur ein paar Schritte entfernt ist.