Biosphärenreservate weltweit: eine Auswahl für deinen Urlaub

Derzeit gibt es weltweit 727 UNESCO-Biosphärenreservate. Da eine (objektive) Auswahl zu treffen, fällt natürlich nicht leicht. Ein Kriterium ist aber sehr überzeugend: dass sie sich nahe an beliebten Urlaubsorten befinden!


Seit die UNESCO 1970 das Man and the Biosphere Programme (kurz Mab-Programm) ins Leben gerufen hat, wurden weltweit 727 UNESCO-Biosphärenreservate in 131 Ländern gegründet, 22 davon länderübergreifend. Man findet sie in den verschiedensten Teilen der Erde, von Guatemala bis Madagaskar, von Nord- und Südkorea bis zum Inselstaat Palau im Pazifischen Ozean. (Nachhaltiger) Tourismus ist in diesen Reservaten ausdrücklich erwünscht, da er einer der Zielsetzungen des MAB-Programms entspricht, nämlich, die Umweltbildung und das Naturerleben zu fördern und der nachhaltigen Bewirtschaftung der einzelnen Regionen zu Bekanntheit zu verhelfen. Natürlich sind einige Reservate leichter zu erreichen als andere. So gibt es in Deutschland derzeit 16 von der UNESCO anerkannte Biosphärenreservate, 2 in der Schweiz und 4 in Österreich. Aber auch an beliebten Urlaubszielen finden wir sehr interessante Schutzgebiete. Hier findest du Biosphärenreservate weltweit, die in deinem nächsten Urlaub einen Besuch wert sind.

Zunächst einmal: Was ist ein Biosphärenreservat?

Ein Biosphärenreservat ist kein Naturschutzgebiet im klassischen Sinn, wo es darum geht, ein bestimmtes Ökosystem in seinem natürlichen Zustand und ohne Einwirkung des Menschen zu erhalten. Wie der Name des Programms „der Mensch und die Biosphäre“ bereits besagt, steht beim Biosphärenreservat der Mensch als Teil der Biosphäre der Erde im Vordergrund. Es geht darum, Kulturlandschaften zu bewahren, die vom Menschen im Laufe der Zeit auf nachhaltige Weise geformt wurden. Traditionelle Arten der Bewirtschaftung im Einklang mit der Natur sollen geschützt und gefördert werden. Dies soll sowohl der natürlichen als auch der kulturellen Vielfalt der Region zugutekommen. 

Im Biosphärenreservat steht der Mensch als Teil der Biosphäre der Erde im Vordergrund

Biosphärenreservate können sich jedoch mit Naturschutzgebieten und sogar mit Nationalparks überschneiden. So gibt es in jedem Biosphärenreservat drei Zonen: die Kernzone, die Pflegezone und die Entwicklungszone. Die Kernzone gleicht einem Naturschutzgebiet im herkömmlichen Sinn, wo der Eingriff des Menschen verboten ist; in der Pflegezone geht es darum, eine besonders sensible oder charakteristische Region innerhalb der Kulturlandschaft in ihrem ursprünglichen Zustand zu erhalten; die Entwicklungszone schließlich, die den größten Teil eines Biosphärenreservats ausmacht, dient der extensiven Nutzung durch den Menschen, immer im Einklang mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit.

Wie heißt es richtig: Biosphärenreservat, Biosphärengebiet oder Biosphärenregion?

„Biosphärenreservat“ ist die offizielle Bezeichnung der UNESCO. Im deutschen Sprachraum werden auch die Begriffe „Biosphärengebiet“ oder „Biosphärenregion“ verwendet. Es handelt sich jedoch um Synonyme. Es kann übrigens auch vorkommen, wie im Falle von Deutschland, dass Länder selber Gebiete als Biosphärenreservate deklarieren, ohne offizielle Auszeichnung der UNESCO. Die Biosphärengebiet-Definition unterliegt dann dem nationalen Recht. Dies ist zum Beispiel der Fall beim Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz.

Doñana: ein Biosphärenreservat mit einer einzigartigen Biodiversität

Biosphärenreservate in Spanien

Spanien ist gegenwärtig das Land mit den meisten Biosphärenreservaten weltweit. Stolze 53 Schutzgebiete hat das Land nach aktuellem Stand zu bieten, die nur darauf warten, besucht zu werden. Dies sind einige Highlights.

Doñana, Cádiz/Huelva/Sevilla

Dieses einmalige Schutzgebiet im Südwesten Spaniens ist gleichzeitig Nationalpark, Naturpark (als Pufferzone für den Nationalpark eingerichtet) und Biosphärenreservat. Das ehemalige private Jagdrevier ist nicht nur landschaftlich äußerst reizvoll, sondern beherbergt ebenfalls eine einzigartige Biodiversität in Europa. Es wird von tausenden von Zugvögeln für die Überwinterung genutzt und stellt das größte Feuchtgebiet Spaniens dar. Zudem ist es das Zuhause von vom Aussterben bedrohter Tierarten wie dem Pardelluchs und dem Iberischen Kaiseradler. Bei einem Urlaub in Cádiz oder in Huelva ist der Besuch von Doñana einfach ein Muss.

Kanarische Inseln

Die Konzentration an Biosphärenreservaten auf den Kanarischen Inseln ist besonders groß. Und zwar wurden ganze fünf Inseln in ihrer Gesamtheit zum Biosphärenreservat erklärt: La Palma, Lanzarote, El Hierro, Fuerteventura und La Gomera. Die Insel Gran Canaria ist zu 43 % Biosphärenreservat, und auf Teneriffa erhielt das Anaga-Gebirge im Nordosten der Insel 2015 diesen Status. 

Ganze fünf Kanarische Inseln wurden in ihrer Gesamtheit zum Biosphärenreservat erklärt: La Palma, Lanzarote, El Hierro, Fuerteventura und La Gomera

Die Kanarischen Inseln verfügen aufgrund ihrer Abgeschiedenheit vom europäischen Kontinent über eine einmalige endemische Flora und Fauna. So sind hier zum Beispiel die voreiszeitlichen Lorbeerwälder erhalten geblieben, die aus dem kontinentalen Europa verschwunden sind. Außerdem haben sich im Laufe der Jahrhunderte traditionelle, ganz eigene Formen der Landwirtschaft im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten entwickelt, die als Kulturgut geschützt werden. Bei einem Urlaub auf den Kanarischen Inseln kommt man also gar nicht umhin, ein Biosphärenreservat zu besuchen, man befindet sich mit großer Wahrscheinlichkeit mittendrin!

Menorca, Balearische Inseln

Auch die Baleareninsel Menorca wurde in ihrer Gesamtheit zum Biosphärenreservat erklärt. Die Insel hat es verstanden, auch in modernen Zeiten ihr traditionelles Landschaftsbild und ihre traditionellen Arten der Bewirtschaftung zu erhalten. Ein Urlaub auf Menorca ist daher wie eine kleine Zeitreise. Die Insel ist wie eine Oase der Ruhe und der Beschaulichkeit in unserer hektischen modernen Welt. Die Kernzone des Biosphärenreservats ist der Parc natural de s’Albufera des Grau, ein sehenswertes Naturschutzgebiet, in dem vor allem einheimische Vogelarten und Zugvögel zu sehen sind und das auch Menorcas Nebeninsel Illa d’en Colom umfasst. Was die Aufteilung in Zonen betrifft, handelt es sich um eines der modellhaftesten Biosphärenreservate weltweit.

Sian Ka'an: wohl eines der schönsten Biosphärenreservate weltweit

Biosphärenreservate in Mexiko

Mexiko ist ein Land mit einer ausgesprochen hohen kulturellen und natürlichen Vielfalt. So ist es nicht verwunderlich, dass das Land ganze 67 Nationalparks und 41 Biosphärenreservate beherbergt, von denen einige sich überschneiden. Egal, ob du Urlaub an der Ost- oder an der Westküste machst, eines dieser Paradiese befindet sich bestimmt in deiner Nähe.

Sian Ka’an

Das „Tor zum Himmel“ – der Name stammt aus der Sprache der Maya. Und tatsächlich ist dieser Ort wohl einer der Erde, die unserer Vorstellung vom Paradies am nächsten kommen. Weitläufige weiße Sandstrände, kleine himmlische Buchten, Mangrovenwälder, spektakuläre Korallenriffe sowie tropische Regenwälder bilden zusammen eines der schönsten Biosphärenreservate weltweit. Dazu kommen die einzigartigen Petenes (engl. Hummocks), Bauminseln mitten im Sumpf, die es so nur an zwei anderen Orten der Welt gibt, in Florida und in Kuba. Bei einem Urlaub an der Riviera Maya ist der Besuch von Sian Ka’an für jeden Naturliebhaber ein Muss.

Isla Cozumel

Aufgrund der geographischen Nähe ist die Insel Cozumel ein beliebtes Ausflugsziel von den Hotels in Cancún aus. Touristen sind vor allem von ihrer großen landschaftlichen Schönheit, ihren paradiesischen Stränden und ihren Cenoten begeistert, die zum Schwimmen und Schnorcheln einladen. Darüber hinaus hat die Insel jedoch auch einen hohen ökologischen und kulturellen Wert, weshalb sie von der UNESCO 2016 zum Biosphärenreservat erklärt wurde. Ganze 27 endemische Wirbeltierarten leben auf der drittgrößten Nebeninsel Mexikos. Und auch die Unterwasserfauna ist spektakulär, da die Insel mitten im so genannten Maya-Riff liegt. Die Insel ist deshalb ein sehr beliebtes Ziel für Taucher.

Alto Golfo de California und Delta des Río Colorado

Der Golf von Kalifornien ist von Natur aus mit einer überaus vielfältigen Fauna gesegnet. Heute kämpfen hier viele extrem vom Aussterben bedrohte Tierarten wie der endemische Kalifornische Schweinswal um ihr Überleben. So war die Erklärung von Naturschutzgebieten in dieser Zone dringend erforderlich. 

Heute kämpfen im Golf von Kalifornien viele vom Aussterben bedrohte Tierarten wie der endemische Kalifornische Schweinswal um ihr Überleben

Das Biosphärenreservat Alto Golfo de California und Delta des Río Colorado soll vor allem nachhaltige Arten des Fischfangs fördern, im Gegensatz zu den sehr invasiven Arten der Region, bei denen viele Wale als Beifang ums Leben kommen. Bei einem Urlaub an der mexikanischen Pazifikküste sollte man es sich nicht entgehen lassen, die Wunder des Golfs von Mexiko zu entdecken und zum Beispiel an einer (natürlich nachhaltigen und nicht-invasiven) Walbeobachtung teilzunehmen.

La Amistad: Das Reservat der "Freundschaft", das Costa Rica und Panama verbindet

Andere schöne Biosphärenreservate weltweit

Ebenfalls in der Nähe beliebter Urlaubsorte befinden sich folgende Biosphärenreservate, die aufgrund ihrer kulturellen und natürlichen Vielfalt einen Besuch wert sind.

La Amistad, Costa Rica/Panama

Das kleine Land Costa Rica verfügt mit einer Fläche von nur 51.000 Quadratkilometern über ganze 4 Biosphärenreservate und sage und schreibe 30 (!) Nationalparks. Einer der interessantesten davon ist La Amistad, der grenzüberschreitend mit Panama um die Talamanca-Bergkette herum gegründet und später ins Weltnaturerbe der UNESCO aufgenommen wurde. Der costa-ricanische Teil des Parks ist zudem gleichzeitig UNESCO-Biosphärenreservat. 

Das kleine Land Costa Rica verfügt mit einer Fläche von nur 51.000 Quadratkilometern über ganze 4 Biosphärenreservate und sage und schreibe 30 Nationalparks

Das Gebiet besteht vor allem aus tropischen Regen- und Nebelwäldern, und die Vielfalt der Flora und Fauna ist schlichtweg beeindruckend. Leider handelt es sich aufgrund des Geländes wohl auch um eines der am schwierigsten zugänglichen Biosphärenreservate weltweit. Darum bucht man bei einem Urlaub in Costa Rica am besten eine Tour, um La Amistad zu besuchen.

Santana, Madeira, Portugal

Etwas unbekannter ist dieses kleine, 2011 gegründete Biosphärenreservat, dafür aber umso faszinierender. Schon die typischen, strohbedeckten Bauernhäuser der Ortschaft Santana zeugen von der tief verwurzelten Landwirtschaftstradition der Region. Auch die berühmten Levadas, künstliche Wasserläufe, die zur Beförderung von Trinkwasser aus den niederschlagsreichen Bergen erbaut wurden, und die in der Umgebung von Santana die Lorbeerwälder durchqueren, zeugen von der Besonderheit der Bewirtschaftung dieses Landes. Besonders wenn man im Urlaub auf Madeira wandern möchte, ist das Biosphärenreservat Santana die ideale Gegend hierfür.

Riesengebirge (Krkonose), Tschechien/Polen

Auch das Riesengebirge ist sowohl als Nationalpark als auch als Biosphärenreservat geschützt, sowohl auf der polnischen als auch auf der tschechischen Seite. Nicht nur die Elbe entspringt im höchsten Teil der Sudeten, sondern zahlreiche Flüsse, die das Gebirge durchqueren und immer wieder wundervolle Wasserfälle bilden, worunter den höchsten Wasserfall Tschechiens, der Pantschenfall (Pančavský vodopád). Das Riesengebirge ist traditionell eine beliebte Urlaubsregion, sowohl zum Wandern als auch zum Skifahren. Es ist aber ebenfalls eine tolle Option für einen Tagesausflug bei einem Urlaub in der Tschechischen Republik.